Samstag, 5. September 2026 | 19:00 Uhr | Christkatholische Kirche Peter und Paul Bern | Kollekte
Sonntag, 6. September 2026 | 17:00 Uhr | Reformierte Kirche Wohlen bei Bern | Kollekte
Arvo Pärt (*1935)
Das Schaffen des Esten Arvo Pärt ist eng mit der Stimme verbunden. Im Chorklang fand Pärt seine unmittelbare, reduzierte Sprache. Der Konzerttitel, Da pacem Domine – «Gib Frieden, Herr» –, verweist auf sein Leitmotiv: die Suche nach innerem und äusserem Frieden.
Viele Werke sind von Stille, Einfachheit und der Sehnsucht nach Versöhnung geprägt. Pärt beschrieb die Wirkung seiner Musik mit den Worten: «Auf der Reise zum Inneren lassen wir alle sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Kontexte hinter uns.»
So entstehen Klangräume, in denen Frieden erfahrbar wird, getragen von der Hoffnung, dass der Frieden im Inneren des Menschen beginnt und von dort nach aussen wirkt.
| Lilien Kwok, Orgel | |
| Vokalensemble Belcanto | |
| Jörg Ulrich Busch, Leitung | |
| Programm | |
| Arvo Pärt (*1935) |
Morning Star (2007) für vierstimmig gemischten Chor a cappella |
| Arvo Pärt (*1935) |
The Beatitudes (1990/2001) für vierstimmig gemischten Chor und Orgel |
| Arvo Pärt (*1935) |
Magnificat (1989) für gemischten Chor a cappella |
| Guy Bovet (*1942) |
Hamburg – aus: Trois Préludes Habourgeois (1989) für Orgel |
| Arvo Pärt (*1935) |
The Woman with the Alabaster Box (1997) für gemischten Chor a cappella |
| Arvo Pärt (*1935) |
Salve Regina (2001–2002) für vierstimmig gemischten Chor und Orgel |
| Arvo Pärt (*1935) |
The Deer’s Cry (2007) für vierstimmig gemischten Chor a cappella |
| Arvo Pärt (*1935) |
Pari intervallo (1976, 1980) für Orgel |
| Arvo Pärt (*1935) |
Da pacem Domine (2004) für Singstimmen a cappella |
Sakraler Minimalismus
«Ich könnte meine Musik mit weissem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind.
Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen;
dieses Prisma könnte der Geist des Zuhörers sein.»
Arvo Pärt (1999)
Seit der Machtübernahme Josef Stalins Ende der 1920er Jahre sahen sich die Komponist*innen der Sowjetunion mit einer staatlichen Kulturpolitik konfrontiert, die modernistische und avantgardistische musikalische Ausdruckweisen mit Aufführungs- und Berufsverboten drangsalierte. Auch der 1935 geborene, estnische Komponist Arvo Pärt geriet schon früh in seiner Karriere in Konflikt mit den sowjetischen Kulturfunktionär*innen.
Wo sich andere der realsozialistischen Kulturdoktrin beugten und sich in ihrer musikalischen Sprache anpassten, wählte Pärt seinen ganz eigenen Weg. Nach einer mehrjährigen Schaffenspause, während derer sich Pärt intensiv mit Gregorianik und den Gesängen der russisch-orthodoxen Kirche (der er 1972 beigetreten war) auseinandersetzte, trat er 1976 wieder in Erscheinung mit einer musikalischen Sprache, die gleichermassen tonal wie neuartig war. Pärt wählte den Weg einer maximalen Reduktion und mystisch aufgeladenen Schlichtheit und fand darin seine ureigene musikalische Stimme. Er erfand dafür gar eine eigene kompositorische Methode, die er Tintinnabuli (lateinisch für «Glöckchen» oder «Schellen») nannte. Das Verfahren beruht auf einer Zweistimmigkeit, wobei eine Stimme nur die Töne eines Dreiklangs verwendet, während sich die andere linear (oft in Tonleiterausschnitten) in festgelegten Intervallen parallel zu dieser Tintinnabuli-Stimme bewegt. Weitere Stimmen entstehen oft in Kanon- und Imitations-Verfahren oder durch Parallelbewegung zu der linearen Melodie. Mit diesem Verfahren lässt Pärt aus einem ungeheuer reduzierten Tonmaterial kontemplative Klangkosmen entstehen, die in sich kreisen ohne stehen zu bleiben. Es entsteht eine Aura der Zeitlosigkeit, eines heiligen oder sakralen Minimalismus.Exemplarisch für diese Stilistik steht etwa das «Magnificat» (der Lobgesang Marias) aus dem Jahr 1989, worin, wie in einem Wechselgesang, verschiedene Stimmen den Ton c im Sopran umspielen oder Stimmgruppen choralartige Phrasen intonieren. Den Tutti-Klang des Chors setzt Pärt nur an wenigen Stellen ein, diese wirken dann aber umso kraftvoller.
Auch mit dieser mystisch-tonalen Musik eckte Pärt bei den sowjetischen Kulturfunktionär*innen an, so dass er schliesslich 1980 mit seiner Familie nach
Wien emigrierte. Im Westen trat er einen regelrechten Siegeszug an und gehört heute zu den meistgespielten zeitgenössischen Komponist*innen weltweit. Auch wenn sich seine jüngeren Vokalwerke nicht mehr ganz so streng an die Regeln der Tintinnabuli-Technik halten, ist Arvo Pärt seiner minimalistischen Kompositionsweise stets treu geblieben.
Moritz Achermann
